Innere Bilder können beruhigen, ermutigen oder etwas ausdrücken, wofür Worte fehlen. Manche Menschen sehen dabei deutliche Szenen, andere spüren eher eine Stimmung, einen Körperimpuls oder einen Gedanken. Imagination meint die bewusste Arbeit mit dieser inneren Vorstellungswelt.
Was ist Imagination?
Imagination ist die Fähigkeit, etwas innerlich gegenwärtig werden zu lassen, das gerade nicht unmittelbar vor den Sinnen liegt. Das kann ein Bild, ein Klang, eine Bewegung, ein Geruch oder eine ganze Szene sein. In Therapie, Beratung und Entspannung werden Imaginationen genutzt, um Ressourcen, Wünsche und innere Konflikte zu erforschen.
Es geht nicht darum, besonders lebhaft „sehen“ zu können. Auch ein vages Wissen, ein Satz oder eine Körperempfindung kann Teil einer Imagination sein.
Wofür kann Imagination hilfreich sein?
- einen sicheren oder wohltuenden inneren Ort erkunden,
- eine Ressource bildlich und körperlich stärken,
- einem Gefühl oder inneren Anteil eine Form geben,
- einen kommenden Schritt behutsam erproben,
- Abstand zu belastenden Gedanken gewinnen,
- Kreativität und persönliche Symbole entdecken.
Ein inneres Bild ist kein Orakel. Seine Bedeutung entsteht für dich und wird nicht von außen festgelegt.
Wie läuft eine Imagination ab?
Zunächst wird ein klarer Rahmen vereinbart. Du kannst die Augen schließen oder geöffnet lassen und jederzeit sprechen, dich bewegen oder unterbrechen. Eine Einladung könnte lauten, einen Ort zu erkunden, an dem du ausreichend Ruhe oder Kraft erlebst.
Währenddessen bleibt der Kontakt zur Gegenwart wichtig: der Stuhl, der Boden, der Raum und meine Stimme. Anschließend gibt es Zeit, das Erlebte zu beschreiben, zu malen oder einfach nachwirken zu lassen.
Imagination und Fantasiereise
Die Begriffe überschneiden sich. Eine Fantasiereise folgt meist einer angeleiteten Geschichte. Imagination ist weiter gefasst und kann auch aus einem einzigen inneren Bild, einem freien Symbol oder einer kurzen Vorstellung bestehen.
Nicht für alle gleich passend
Innere Bilder können auch unangenehme Erinnerungen oder starke Gefühle wecken. Besonders bei traumatischen Erfahrungen ist eine gute Dosierung wichtig. Eine Person darf jederzeit stoppen, die Augen öffnen, sich orientieren oder einen anderen Zugang wählen.
Manche Menschen können oder möchten kaum bildlich vorstellen. Das ist keine Schwäche. Körperwahrnehmung, Gegenstände, Bewegung oder Sprache können ebenso hilfreiche Wege sein.
Imagination in meiner Arbeit
Ich nutze Imaginationen als freiwillige Experimente innerhalb einer traumasensiblen Begleitung. Wir prüfen gemeinsam, ob ein Bild dich tatsächlich unterstützt. Es muss nichts Bestimmtes entstehen, und jede Bedeutung bleibt deine eigene.
Eine Imagination kann einen inneren Raum öffnen. Die anschließende Frage lautet: Was davon möchte im Alltag einen kleinen Ausdruck finden?